Mittagsschlaf beim Baby: Dauer nach Alter – und wann er die Nacht kostet
Kurz gesagt: Die Dauer vom Mittagsschlaf beim Baby liegt typischerweise bei 45 bis 90 Minuten, bei Kleinkindern ab 18 Monaten eher 90 bis 120 Minuten. Entscheidend ist weniger die Länge eines einzelnen Schlafs als der gesamte Tagschlaf und sein Abstand zur Bettzeit: Ein Mittagsschlaf, der zu spät endet, nimmt den Schlafdruck für die Nacht.
Zwei Stunden Mittagsschlaf klingen erst mal nach einem guten Tag – bis das Kind abends um halb neun immer noch hellwach im Bett liegt. Die Frage, wie lang ein Mittagsschlaf sein darf, ist deshalb selten eine Frage nach dem Mittag, sondern eine nach dem Abend.
In diesem Artikel geht es ausschließlich um die Dauer. Wenn du wissen willst, wie viele Nickerchen zum Alter passen, findest du das im Artikel zum Nickerchen-Übergang mehr dazu; wenn dein Baby regelmäßig schon nach 30 Minuten aufwacht, hilft der Artikel zu kurzen Nickerchen weiter.
Mittagsschlaf beim Baby: Dauer nach Alter
Die Werte in der Tabelle beziehen sich auf ein einzelnes Nickerchen. In der Spalte ganz rechts steht zusätzlich der gesamte Tagschlaf – das ist die Zahl, auf die es am Ende ankommt.
Alter |
Dauer eines einzelnen Nickerchens |
Nickerchen pro Tag |
Tagschlaf gesamt |
|---|---|---|---|
0–6 Wochen |
keine feste Dauer |
4–6, unstrukturiert |
sehr variabel |
6–12 Wochen |
ca. 45–60 Minuten |
4–5 |
ca. 4–5 Stunden |
3–4 Monate |
ca. 45–75 Minuten |
3–4 |
ca. 3,5–4,5 Stunden |
4–6 Monate |
ca. 60–75 Minuten |
3 |
ca. 3–3,5 Stunden |
6–9 Monate |
ca. 60–85 Minuten |
2–3 |
ca. 2,5–3,5 Stunden |
9–12 Monate |
ca. 70–85 Minuten |
2 |
ca. 2,5–3 Stunden |
12–18 Monate |
ca. 60–90 Minuten |
1–2 |
ca. 2–2,5 Stunden |
18–24 Monate |
ca. 90–120 Minuten |
1 |
ca. 1,5–2 Stunden |
Quelle: Tagschlaf-Gesamtwerte abgeleitet aus Iglowstein I, Jenni OG, Molinari L, Largo RH (2003), Sleep Duration From Infancy to Adolescence, Pediatrics 111(2):302–307 sowie Paruthi S et al. (2016), Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations, Journal of Clinical Sleep Medicine 12(6):785–786. Die Dauer einzelner Nickerchen ist ein Orientierungswert aus der Praxis – sie wird in der Primärliteratur nicht getrennt nach einzelnen Schlafphasen erhoben.
Was das bedeutet: Der Tagschlaf insgesamt nimmt über die ersten zwei Jahre deutlich ab – von mehreren Stunden auf etwa anderthalb bis zwei. Die einzelnen Nickerchen werden dabei aber länger, weil sich derselbe schrumpfende Tagschlaf auf immer weniger Schlafphasen verteilt.
Hinweis: Auch hier sind die Spannen breit, und Abweichungen sind der Normalfall. Die Zürcher Longitudinalstudien zeigen für Kinder zwischen 3 und 11 Monaten einen Gesamtschlaf von rund 9–10 Stunden an der 2. Perzentile bis etwa 19 Stunden an der 98. – ein Kind, das mittags nur 45 Minuten schläft, kann genauso ausreichend versorgt sein wie eines, das zwei Stunden schläft.
Wann ein Mittagsschlaf die Nacht kostet
Zwei Größen entscheiden darüber, ob der Mittagsschlaf dem Abend im Weg steht: seine Länge und sein Endzeitpunkt. Der Endzeitpunkt ist dabei der wichtigere von beiden.
Der Hintergrund ist der Schlafdruck, der sich während des Wachseins aufbaut und im Schlaf abgebaut wird (Borbély et al., 2016, Journal of Sleep Research 25:131–143). Jede Minute Mittagsschlaf baut Schlafdruck ab – der dann am Abend fehlt. Fehlt er dauerhaft, zeigt sich das oft nicht abends, sondern am nächsten Morgen: Zu viel Tagschlaf gehört zu den häufigsten Ursachen für frühes Aufwachen mehr dazu. Endet der Schlaf zu spät, reicht die verbleibende Wachzeit nicht aus, um bis zur Bettzeit wieder genug aufzubauen.
Als praktischer Anhaltspunkt gilt: Zwischen dem Ende des letzten Tagschlafs und der Bettzeit sollte mindestens ein volles Wachfenster für das Alter deines Kindes liegen. Bei einem 9 Monate alten Baby mit einem letzten Wachfenster von rund 3,5 Stunden und einer Bettzeit um 19:30 Uhr heißt das: Der Mittagsschlaf sollte spätestens gegen 16:00 Uhr enden.
Praxistipp: Wenn dein Kind abends deutlich länger zum Einschlafen braucht als sonst und dabei entspannt statt aufgedreht wirkt, ist ein zu später oder zu langer Mittagsschlaf die wahrscheinlichste Erklärung. Ziehe ihn für ein paar Tage um 30 Minuten vor, bevor du an der Bettzeit drehst .
Wann Wecken sinnvoll ist – und wann nicht
Ein schlafendes Baby zu wecken fühlt sich falsch an. In zwei Situationen ist es trotzdem die bessere Entscheidung.
Erstens, wenn der Mittagsschlaf so spät endet, dass die Bettzeit ins Rutschen kommt. Hier ist Wecken der kleinere Eingriff – die Alternative wäre ein Abend, der eine Stunde später beginnt und den nächsten Morgen mitverschiebt.
Zweitens, wenn der Tagschlaf insgesamt deutlich über dem Altersschnitt liegt und die Nächte kürzer oder unruhiger werden. Der Gesamtschlafbedarf ist begrenzt: Was tagsüber verbraucht wird, fehlt nachts.
Nicht wecken solltest du dagegen, wenn dein Kind krank ist, gerade einen Nickerchen-Übergang durchläuft oder erkennbar Schlaf nachholt – etwa nach einer unruhigen Nacht oder einem besonders reizintensiven Tag. In diesen Fällen richtet Wecken mehr Schaden an als der spätere Abend.
Und am Vormittag ist Wecken fast nie nötig. Das erste Nickerchen liegt weit genug von der Nacht entfernt, um den Abend nicht zu beeinflussen.
Wenn du weckst, dann möglichst sanft und nicht abrupt: Vorhänge öffnen, leise sprechen, ein paar Minuten Zeit lassen. Ein Kind, das aus dem Tiefschlaf gerissen wird, braucht danach oft länger, um in den Nachmittag zu finden, als der gewonnene Zeitvorteil wert ist.
Wann Kinder den Mittagsschlaf aufgeben
Der Mittagsschlaf verschwindet nicht plötzlich, sondern über Monate. Nach den Zürcher Daten machen mit zwölf Monaten noch alle Kinder Nickerchen, und der Wechsel auf ein einziges Nickerchen findet im Mittel um den 18. Lebensmonat statt.
Danach bleibt dieses eine Nickerchen meist noch längere Zeit bestehen. Als Orientierung gilt, dass Kinder den Mittagsschlaf üblicherweise zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr ganz aufgeben – mit erheblichen Unterschieden von Kind zu Kind.
Quelle: Angaben zum Nickerchen-Übergang nach Iglowstein I, Jenni OG, Molinari L, Largo RH (2003), Sleep Duration From Infancy to Adolescence, Pediatrics 111(2):302–307. Der Zeitraum, in dem Kinder den Mittagsschlaf ganz aufgeben, ist als Orientierungsspanne angegeben.
Typische Zeichen dafür, dass es soweit ist: Dein Kind liegt beim Mittagsschlaf über Wochen wach im Bett, schläft abends deutlich schlechter ein, wenn es mittags geschlafen hat, und kommt an schlaflosen Mittagen ohne größere Übermüdung durch den Nachmittag. Eine Ruhezeit ohne Schlafpflicht ist in dieser Phase oft der gute Zwischenweg.
Häufige Fragen zur Dauer vom Mittagsschlaf
Wie lange sollte ein Baby mit 6 Monaten mittags schlafen?
Ein einzelnes Nickerchen dauert in diesem Alter typischerweise 60 bis 85 Minuten, bei insgesamt etwa 2,5 bis 3,5 Stunden Tagschlaf über meist drei Nickerchen. Wichtiger als die Länge des einzelnen Schlafs ist die Gesamtmenge – ob sie sich auf zwei längere oder drei kürzere Nickerchen verteilt, ist zweitrangig. Fällt ein Nickerchen deutlich kürzer aus, gleicht sich das häufig beim nächsten wieder aus. Erst wenn die Summe über den Tag dauerhaft niedrig bleibt, lohnt genaueres Hinschauen.
Ist ein zweistündiger Mittagsschlaf zu lang?
Für ein Kleinkind ab etwa 18 Monaten mit nur noch einem Nickerchen ist das völlig üblich. Für ein Baby mit zwei oder drei Nickerchen ist es dagegen viel – dann geht der Tagschlaf in Summe leicht über das altersübliche Maß hinaus. Der zuverlässigste Prüfstein ist der Abend: Wenn das Einschlafen problemlos klappt, ist die Länge in Ordnung. Kürzen solltest du ihn nur, wenn der Abend darunter leidet – nicht vorsorglich, weil eine Tabelle einen kleineren Wert nennt.
Bis wann sollte der Mittagsschlaf spätestens vorbei sein?
Das lässt sich nicht als feste Uhrzeit sagen, weil es von der Bettzeit abhängt. Die Faustregel: mindestens ein volles Wachfenster zwischen dem Ende des Tagschlafs und dem Zubettgehen. Bei einer Bettzeit um 19:30 Uhr und einem letzten Wachfenster von 3,5 Stunden bedeutet das ein Ende gegen 16:00 Uhr. Wenn dein Kind an einem Tag ausnahmsweise später schläft, ist das kein Problem – dann darf auch die Bettzeit entsprechend später liegen. Kritisch wird es erst, wenn es zur Regel wird.
Mein Kind schläft mittags gar nicht mehr, ist aber nachmittags quengelig. Was tun?
Das ist typisch für die Übergangsphase, in der der Mittagsschlaf gerade wegfällt. Eine Ruhezeit ohne Schlafpflicht – abgedunkelt, mit Büchern, ohne Erwartung an Schlaf – überbrückt diese Zeit oft gut. Zusätzlich hilft eine vorübergehend frühere Bettzeit, bis dein Kind ohne Mittagsschlaf durch den Tag kommt. Rechne damit, dass diese Phase mehrere Wochen dauert und die Tage sehr unterschiedlich ausfallen. An Tagen ohne Mittagsschlaf hilft eine deutlich frühere Bettzeit mehr als der Versuch, den Schlaf am Nachmittag doch noch zu erzwingen.
Zählt Schlaf im Kinderwagen oder Auto als vollwertiger Mittagsschlaf?
Für die Schlafmenge ja – abgebauter Schlafdruck zählt unabhängig vom Ort. In der Praxis fällt Schlaf unterwegs allerdings oft kürzer aus und endet zu unregelmäßigen Zeiten, was den Tagesplan verschieben kann. Rechne ihn beim Blick auf den gesamten Tagschlaf also mit. Für den Tagesplan lohnt es sich trotzdem, unterwegs auf das Ende zu achten: Ein Nickerchen, das bis in den späten Nachmittag läuft, verschiebt den Abend genauso wie eines im Bett. Wenn möglich, wecke dein Kind bei der Ankunft, statt es im Sitz weiterschlafen zu lassen.
Sicherer Babyschlaf – unabhängig von der Uhrzeit
Wann dein Baby schläft, ist das eine. Wie es schläft, das andere – und dabei gelten unabhängig vom Wachfenster ein paar Punkte, die sich nicht verhandeln lassen: Babys schlafen im ersten Lebensjahr in Rückenlage, im eigenen Bett und in einem Schlafsack statt unter einer Decke.
Das Bett bleibt frei von Kissen, Decken, Nestchen, Fellen und Kuscheltieren. Die Raumtemperatur liegt idealerweise bei etwa 16 bis 18 Grad – Überhitzung ist ein größeres Risiko als Frieren. Ausführliche Empfehlungen zum sicheren Babyschlaf findest du bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf kindergesundheit-info.de.
Wie viel Tagschlaf zum Alter deines Kindes passt und wie sich das auf die Bettzeit auswirkt, rechnet dir unser Wachzeiten-Rechner aus – Geburtsdatum und heutige Aufwachzeit genügen. Die vollständige Wachfenster-Übersicht findest du im Hauptartikel mehr dazu.
Wachzeiten nicht selbst ausrechnen.
Gib Geburtsdatum und heutige Aufwachzeit in den Wachzeiten-Rechner ein. Du bekommst Nickerchen-Zeiten und eine geschätzte Bettzeit für heute.
Zum RechnerDieser Artikel basiert auf: Iglowstein I, Jenni OG, Molinari L, Largo RH (2003), Sleep Duration From Infancy to Adolescence, Pediatrics 111(2):302–307 · Paruthi S et al. (2016), Recommended Amount of Sleep for Pediatric Populations, Journal of Clinical Sleep Medicine 12(6):785–786 · Borbély AA, Daan S, Wirz-Justice A, Deboer T (2016), The two-process model of sleep regulation: a reappraisal, Journal of Sleep Research 25(2):131–143